Sebka

Die Cordobeser Bogensysteme

Die senkrecht ebenen Systeme sich kreuzender Bogen der Cordobeser Hauptmoschee stellen eine der innovativsten Neuerungen der zwischen 962 und 971 unter al-Hakam II. erfolgten Betsaalerweiterung dar. Ausgehend von den im Gründungsbau eingeführten doppelgeschossigen Betsaalarkaden weisen die Bogensysteme der Capilla de Villaviciosa und der Maqsura einen zweigeschossigen Aufbau auf, bei dem sich die Bogen der oberen Ordnung durchkreuzen und so den Eindruck komplexer Flechtsysteme ergeben (Abb. 1-2). Die weitere Entwicklung dieses zweifellos erfolgreichsten Motivs ibero-islamischer Architektur lässt sich punktuell verfolgen. Die Schwelle zum Oberflächenornament wurde in den gleichzeitig entstandenen Cordobeser Moscheeportalen bereits überschritten, als die grossformatigen Bogensysteme des Betsaals zu kleinformatigen Blendarkaden umgeformt wurden. – FG

Literatur
Camps Cazorla 1953. Ewert 1967. Giese 2014.

Vom Bogensystem zum Flächenornament

Während die Cordobeser Vorgaben in der taifazeitlichen Aljafería von Zaragoza (zw. 1049-1082) aufgegriffen und zu rapportierenden, der dahinterliegenden Backsteinkonstruktion aufstuckierten Bogensystemen gesteigert wurden, kam es im 12. Jh. zur Ausformung des rein dekorativen Bogennetzes (sebka), das die Fassaden der monumentalen almohadischen Minarette von Rabat und Sevilla (um 1195) grossflächig überzog (Abb. 3-4). Vorbildhaft für die post-almohadische Architektur sollten die Ende 12./Anfang 13. Jh. entstandenen, von kleinformatigen sebka-Netzen überzogenen Bogenarkaden des Patio del Yeso und Patio de la Casa de Contratación im Alcázar von Sevilla wirken. Im Zuge ihrer Umformung wurden die Bogenkonturen komplexer und die oft mehrschichtigen Systeme dichter, wogegen ihre statische Bedeutung zusehends zurücktrat. – FG

Literatur
Ewert 1968. Ewert 1978. Manzano 1995. Ewert et al. 1997. Almagro 2007. Tabales Rodríguez 2010.

Der Triumpf des sebka

Das Cuarto Real de Santo Domingo in Granada (spätes 13. Jh.) belegt die Übernahme der rapportierenden Flächenornamentik des sebka in der früh-nasridischen Architektur. Im Löwenhof und den angrenzenden Sälen des unter Muhammad V. zwischen 1360-1362 entstandenen Palacio de los Leones der Alhambra sollte sie ihren Höhepunkt erleben. Während die Hofarkaden mit ihren rein dekorativen, in Stuck ausgeführten Bogennetzen an die almohadischen Patios des Alcázar von Sevilla erinnern (Abb. 5), treten die sich kreuzenden sebka-Netzte in den Stuckverkleidungen der Innenräume neben die in der ibero-islamischen Architektur weit verbreitete Sternornamentik (Abb. 6-7). Wie bei dieser bilden auch hier die sich kreuzenden Bogennetzte das Gerüst einer mit vegetabilem Dekor (ataurique) bereicherten Wandverkleidung. Was auf den ersten Blick als ein Liniengewirr wahrgenommen wird, erweist sich auf den zweiten Blick als eine streng geometrisch aufgebaute Ornamentik. – FG

Literatur
Pavón Maldonado 1975. Almagro/Orihuela 1995. Fernández-Puertas 1997. Pavón Maldonado 2004.
Abb.1 (de)

Abb. 1. System sich kreuzender Bogen der Cordobeser Maqsura (Monumentos 1859-80, carp. 4, cuaderno 75).

Abb.2 (de)

Abb. 2. System sich kreuzender Bogen der Capilla de Villavisiosa (Monumentos 1859-80, carp. 4, cuaderno 66).

Abb.3 (de)

Abb. 3. Gesamtansicht der Giralda in Sevilla (Taylor 1838, Taf. 40).