Hin zur Objektivität

Girault de Prangey

Während John F. Lewis und David Roberts in den Jahren 1832-1833 malerischen Ansichten Spaniens nachjagten, besuchte der französische Adlige Joseph-Philibert Girault de Prangey die Städte Granada, Sevilla und Cordoba, um das islamische Bauvermächtnis des Landes zu erforschen. Die Resultate seiner Studien erschienen in seinem Monuments Arabes et Moresques de Cordoue, Séville et Grenade (1837-39), gefolgt von Choix d’ornaments moresques de l’Alhambra (1842). Im Jahr 1841 veröffentlichte er die Summe seiner Recherchen im Essai sur l’architecture des arabes et des mores, en Espagne, en Sicilie et en Barbarie, worin er versuchte, eine globale Geschichte der islamischen Architektur zu schreiben. Er war der Erste, welcher die Archiektur von al-Andalus mit derjenigen des Maghreb oder Ägyptens verglich. Seine Illustrationen vereinen die von malerischen Details und Figurenstaffagen geprägte romantische Tradition mit einem neuen Sinn für Präzision in der Darstellung, die den Weg bereiteten für eine neuerliche Wertschätzung der islamischen Architektur und Dekoration Spaniens (Abb. 1-3). – AVB

Literatur
Girault de Prangey 1837-39. Girault de Prangey 1841. Girault de Prangey 1842. Galera 1992. Quettier 1998. Mauron/Dutoit 2008.

Jones’ Alhambra

Im Frühjahr 1834 kamen der walisische Architekt Owen Jones und der Franzose Jules Goury in Granada an. Sechs Monate lang lebten sie in der Alhambra und erforschten deren architektonisches und dekoratives Programm eingehend. Nachdem Goury der Cholera erlegen war, kehrte Jones nach London zurück, entschlossen, die Ergebnisse der gemeinsamen Studien, die seit 1836 partiell erschienen waren, unter dem Titel Plans, Elevations, Sections and Details of the Alhambrazu publizieren. Ihre Bauuntersuchungen heben sich aufgrund ihrer Qualität ab (Abb. 4-5). Nach dem Vorbild zeitgenössischer Architekten des Orientalismus, wie Pascal Coste in Ägypten, fassten sie die Alhambra als architektonisches Meisterwerk auf und nicht wie bisher als ein Märchenpalast. So wiesen sie nach, dass ihre Ornamentik auf mathematischen und geometrischen Gesetzen beruhte. – AVB

Literatur
Goury/Jones 1836-45. Darby 1974. Grabar 1978. Ferry 2004. Flores 2006. Calatrava 2011.

Wissenschaftliche Genauigkeit

Goury und Jones’ Aufrisse und Schnitte des Alhambra-Palastes waren mit äusserster Genauigkeit ausgeführt. Es ist überraschend und gleichzeitig hoch bedeutsam, dass sie bis heute zu den besten verfügbaren Planzeichnungen gehören, und selbst in zeitgenössischen wissenschaftlichen Publikationen Verwendung finden. Goury und Jones stellten nicht nur eine genaue Analyse der Architektur und Ausstattung des Baus vor, sondern darüber hinaus auch genaue Pläne der ganzen Festung und der nasridischen Paläste darin (Abb. 6-7). Sie waren unter den Ersten, die einen wissenschaftlichen Zugang zu einem islamischen Bauwerk wählten. Ihre Zielsetzung wird bereits im Titel der Publikation deutlich: Plans, Elevations, Sections and Details of the Alhambrabenutzt eine Terminologie, die bislang meist auf klassische Architektur beschränkt worden war. – AVB

Literatur
Goury/Jones 1836-45. Fernández-Puertas 1997. Ferry 2004.
Abb.1 (de)

Abb. 1. Pittoreske Ansicht der Moschee von Córdoba (Girault de Prangey 1837-39, Cordoba, Taf. 4).

Abb.2 (de)

Abb. 2. Ansicht der Sala de las Dos Hermanas in der Alhambra (Girault de Prangey 1842, S. 33).

Abb.3 (de)

Abb. 3. Historistische Fantasie im Salón de Embajadores des Alcázar von Sevilla (Girault de Prangey 1837-39, Sevilla, Taf. 7).