Jones angewandt

Neuzeitliche Musterbücher

Durch die präzise und detailreiche Wiedergabe ibero-islamischer Architektur fanden die Publikationen von Joseph-Philibert Girault de Prangey sowie Jules Goury und Owen Jones weltweite Beachtung und wurden neben Architekturstudien und Gipsabgüssen zu einem der wichtigsten Transfermedien. Vergleichbar mit mittelalterlichen Musterbüchern nutzten zeitgenössische Architekten, welche selber nie nach Spanien gereist waren, die reich illustrierten Tafelwerke als Vorlagenkataloge. Dies gilt insbesondere für das von Ludwig von Zanth im Auftrag Wilhelms I. von Württemberg entworfenem Schlossensemble der Wilhelma in Stuttgart Bad-Cannstatt (1842-1865) sowie das fast zeitgleich begonnene Dampfmaschinenhaus in Potsdam (1841-1843). Durch das Nebeneinander von Motiven aus der Cordobeser Hauptmoschee und der vierhundert Jahre jüngeren Alhambra belegen beide Bauten den Stilpluralismus neo-islamischer Architektur. – FG

Literatur
Zanth 1855. Schulz 1976. Schloze 1996. Staschull 1999.

Die Synagoge von Florenz

Im 19. Jh. wurde der neo-maurische Stil als perfekter Baustil für Synagogen angesehen, wie am Beispiel des Florentiner Tempels deutlich wird. Zunächst als Bauwerk im Stil der Neo-Renaissance geplant, wurde die Synagoge zwischen 1874 und 1882 von den Architekten Mariano Falcini, Vincente Michele und Marco Treves mit einem polychrom gefassten neo-maurischen Interieur erbaut (Abb. 1). Die Muster an Wänden und Decken sind direkte Vergrösserungen von Jules Goury und Owen Jones’ Chromolithographien, die im zweiten Band ihres Plans, Elevations, Sections and Details of the Alhambra veröffentlicht wurden. Dieser 1845 erschienene Band war ausdrücklich den Ausschmückungsmustern gewidmet (Abb. 2-3). Die ausgesprochen qualitätsvollen Tafeln wurden zum bevorzugten Transfermedium und waren somit massgeblich an der Verbreitung des neo-maurischen Stils beteiligt. – AVB

Literatur
Künzl 1984. Scott 2000. Kalmar 2001. Kalmar 2013.

Der Maurische Saal im Hotel Halm

Der vom Stuttgarter Architekten Emil Otto Tafel (1838-1914) in den Jahren 1887-1888 im Hotel Halm in Konstanz ausgeführte Maurische Saal (Abb. 4) belegt die Bedeutung zeitgenössischer Stichwerke für die Baupraxis des 19. Jh. Obwohl Tafel als Schüler von Christian Friedrich von Leins mit der islamischen Architektur von al-Andalus vertraut gewesen sein muss, reiste er selber nie nach Spanien. Seine primäre Quelle stellte das teilkolorierte Tafelwerk Plans, Elevations, Sections and Details of the Alhambra von Jules Goury und Owen Jones dar, dessen detaillierte Wiedergabe nasridischer Bau- und Dekorelemente eine Übertragung am Bau möglich machte. So folgen die Kapitelle und Blendbogenfriese den Bildvorlagen aufs Genauste (Abb. 5-9) und setzen sich aufgrund ihrer detaillierten Ausgestaltung von den angrenzenden Hauptfeldern mit ihrem stark vereinfachten Dekor ab. – FG

Literatur
Goury/Jones 1836-45. Tafel 1914.
Abb. 1. Gesamtansicht des Innenraums der Synagoge von Florenz (© Bildarchiv Foto Marburg/ Rabatti & Domingie Photography).

Abb. 1. Gesamtansicht des Innenraums der Synagoge von Florenz (© Bildarchiv Foto Marburg/ Rabatti & Domingie Photography).

Abb.2 (de)

Abb. 2. Gefasstes Sebka-Ornament an der Synagogenwand (© Bildarchiv Foto Marburg/ Rabatti & Domingie Photography).

Abb.3 (de)

Abb. 3. Reproduktion eines Sebka-Ornaments von Owen Jones (Goury/Jones 1836-42, Bd. 2, Taf. 17).