Neue Farbigkeit

Jones, die Alhambra und die Chromolithographie

Die Analyse des dekorativen Systems der Alhambra durch Owen Jones wies die essenzielle Beziehung zwischen Form und Farbe in der maurischen Architektur nach. Jones war von der Bedeutung der Polychromie in der nasridischen Architektur derart überzeugt, dass die Veröffentlichung seines Werks Plans, Elevations, Sections and Details of the Alhambra (1836-45) ohne Farbtafeln für ihn undenkbar war. Mit grossem finanziellen Aufwand druckte er die Publikation unter Verwendung der neuartigen Technik der Chromolithographie selber und setzte damit neue Standards in der Druckindustrie Grossbritanniens. Jones Tafeln stellten eine lebhafte und farbige Ansicht der Architektur und des Dekors der Alhambra dar (Abb. 1-2), die auf entscheidende Weise die Wertschätzung maurischer Architektur, die Entwicklung des neo-maurischen Stils und nicht zuletzt die Restaurierung der Alhambra im 19. Jh. beeinflusste. – AVB

Literatur
Goury/Jones 1836-45. Van Zanten 1977, Darby 1983, Ferry 2003. Ferry 2004. Flores 2006.

Von der Theorie zur Praxis

In den 1850er Jahren begann Jones seine Farbtheorie, die er anhand der Alhambra entwickelt hatte, in die Praxis umzusetzen. Als einer der Bauaufseher für die Londoner Weltausstellung von 1851 schlug er vor, das Innere des Crystal Palace mit den drei Primärfarben auszumalen (Abb. 3). Für das Verhältnis zwischen den Farbtönen bezog er sich auf die Proportionslehre von George Field sowie die Regeln des Simultankontrasts nach Michel-Eugène Chevreul. Diese Entscheidung sorgte zunächst für einige Aufregung, doch gelang es Jones schon bald, sich durch sie als eine weltberühmte Autorität für Farbharmonie zu etablieren. Jones wollte keineswegs maurische Architektur kopieren, sondern lediglich deren Prinzipien folgen, um zeitgenössische Architektur zu erneuern. In seiner Ausstattung des Crystal Palace Bazaars an der Oxford Street (1858) oder der Saint James Concert Hall (1855-1858) gelang es ihm, die farbige Atmosphäre eines unwirklichen und magischen Orients und gleichzeitig ein einmaliges Beispiel viktiorianischen Designs zu erschaffen. – AVB

Literatur
Darby 1974. Darby/Van Zanten 1974. Van Zanten 1977. Van Zanten 1983. Flores 2006.

Die Alhambra ausstellen

Nach der Weltausstellung von 1851 wurde der Crystal Palace als dauerhafte Struktur in Sydenham wiederaufgebaut. Der Glaspalast sollte ein Museum für das Volk werden und beherbergte eine Folge von Höfen der schönen Künste (Fine Art Courts), welche grossformatige Prospekte historischer Bauten darstellten. Verantwortlich für das Konzept waren Owen Jones und Matthew Digby Wyatt. Einen dieser Höfe widmete Jones seiner geliebten Alhambra indem er eine reduzierte Version des Löwenhofes, der Sala de los Reyes und der Sala de los Abencerrajes schuf. Obwohl Architektur-elemente in Originalgrösse nachgebaut wurden, stellte der Hof keineswegs eine archäologisch getreue Rekonstruktion dar. So waren beispielsweise die Aussenwände vollständig ausgeschmückt (Abb. 4). Nichtsdestotrotz trug der Alhambra Court mit Tausenden von Besuchern auf spektakuläre Weise dazu bei, die Architektur den nasridischen Paläste ausserhalb Spaniens zu verbreiten. – AVB

Literatur
Piggott 2004. Ferry 2004. Ferry 2007. Flores 2006. Calatrava 2010.
Abb.1 (de)

Abb. 1. Alkoven im „Fischteichhof“ der Alhambra (Goury/Jones 1836-45, Bd. 1, Taf. 9).

Abb.2 (de)

Abb. 2. Detail der Bogenarkade in der Sala de los Abencerrajes der Alhambra (Goury/Jones 1836-45, Bd. 1, Taf 22).

Abb.3 (de)

Abb. 3. Ansicht des Mittelschiffes des Crystal Palace, 1851, J. Mc Neven (© Victoria and Albert Museum, London).