Biographie

Wilhelm Meyer in Spanien

Der Zürcher Architekturmaler Wilhelm Meyer (1806-1848) trat 1832 in München bei Simon Quaglio, aus der berühmten italienisch-deutschen Künstlerfamilie der Qualios, seine Ausbildung zum Bühnen- und Dekorationsmaler an (Abb. 1). Hier erlernte er die perspektivische Darstellung, die ihm bei seinem weiteren Schaffen von grossem Nutzen sein sollte. Nach Aufträgen als Theatermaler in Nürnberg und Zürich begab sich Meyer 1842 auf eine Studienreise nach Italien, wo er in Rom als Architekturmaler erste Erfolge feiern konnte (Abb. 2). 1845-1846 folgte eine Reise nach Spanien, auf der Meyer, wie viele seiner Zeitgenossen, mit den islamischen Bauten von al-Andalus neue Bildthemen erschloss. Diese bescherten ihm nach seinem Umzug nach Paris im Jahre 1846 internationales Renommee. Zu seinen Kunden zählten illustre Vertreter des europäischen Hochadels wie Ludwig I. von Bayern und Wilhelm I. von Württemberg. – FG    

Literatur
Meyer 1855. Pestalozzi 1908.

Die Entdeckung der islamischen Architektur

Wie zahlreiche Architekten und Künstler des 19. Jh. kam auch Wilhelm Meyer in Sizilien erstmals mit islamischer Architektur in Kontakt. Seine Bleistiftzeichnung Sale de bains au Chateau maure la Zisa gibt den Audienzsaal des normannischen Palastes detailliert wieder (Abb. 3). Meyers Studie belegt den ‘architektonischen Blick’ des Zürcher Malers, der den Raum perspektivisch korrekt erfasst und die mehrstufig aufgebauten Muqarnaskonchen gekonnt in Szene setzt. Das Nebeneinander von christlichen und islamischen Bauformen scheint den Zürcher Maler besonders fasziniert zu haben, sodass er im Frühjahr 1843 ein zweites Mal nach Sizilien reiste. Wie der Preussische Architekt Carl von Diebitsch muss auch Meyers Interesse an islamischer Architektur hier geweckt worden sein. Beide sollten ihre Studien in Spanien fortsetzen, wo sie in den islamischen Bauten von al-Andalus neue Impulse für ihr späteres Schaffen fanden. – FG

Literatur
Pestalozzi 1908. Pflugradt Abdel-Aziz 2009.

Wilhelm I. von Württemberg – Kunstliebhaber und Förderer

Neben München und Berlin ergriff die Faszination für das islamische Erbe von al-Andalus auch Stuttgart, wo Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) als wichtiger Mäzen hervortrat. Bereits 1834 fasste dieser den Entschluss, die ab 1842 in Stuttgart Bad-Cannstatt realisierte Wilhelma im „maurischen Stil“ ausführen zu lassen. 1847 lud der kunstliebende Regent den Zürcher Maler Wilhelm Meyer nach Stuttgart ein, um seine spanischen Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Gemäss eines Werkverzeichnisses von 1855 kaufte Wilhelm I. drei seiner spanischen Arbeiten für die königliche Gemäldegalerie an, wovon sich eines bis heute in Stuttgart befindet. In Der Generalife in Granada von 1848 beweist Meyer sein architektonisches Auffassungsvermögen und seine zeichnerische Präzision (Abb. 4), die im Œuvre des Münchner Malers Eduard Gerhardt eine Fortsetzung finden. – FG

Literatur
Meyer 1855. Jahrbuch 2011/2012. Peschel 2014.