Architekturmalerei

Auf der Suche nach neuen Sujets

Die Gattung der Architekturmalerei erlebte im 19. Jh. einen beachtlichen Aufschwung. Im Unterschied zu der im 18. Jh. weitverbreiteten Vedutentradition wurden nun antike und insbesondere mittelalterliche Bauten zum primären Bildthema. An die Stelle eines tief geführten Bildraumes tritt neu der nahsichtige Ausschnitt, bei dem die dargestellte Architektur detailliert wiedergegeben wird. Die zunehmende Konkurrenz innerhalb der Architekturmalerei führte nach 1830 zu einer thematischen Spezialisierung und Erschliessung neuer Bildinhalte. Obwohl Italien weiterhin zahlreiche Sujets lieferte, lässt sich eine thematische Verschiebung feststellen. Neben mittelalterlichen Klosteranlagen standen im 19. Jh. die islamischen Bauten Siziliens, Spaniens und des Nahen Ostens im Fokus zahlreicher Künstler. Auf der Suche nach neuen Sujets begaben sich diese nicht selten auf mehrjährige Studienreisen. – FG

Literatur
Gramlich 1990. Gebauer 2000.

Spanien im Visier deutscher Maler

Die künstlerische Erschliessung Spaniens und seines islamischen Erbes durch deutsche Maler begann 1832 mit der Reise Wilhelm Gails (1804-1890). Angeregt von den ab 1825 in München ausgestellten Spanischen Ansichten des Genre- und Schlachtenmalers Carl Wilhelm Freiherr von Heideck und den gerade erschienenen Erzählungen Washington Irvings suchte Gail in Spanien nach neuen Sujets. Diese verarbeitete er nach seiner Rückkehr zu pittoresken Ansichten, bei denen die islamischen Bauten die Kulisse romantischer Visionen bildeten (Abb. 1). Auch in Preussen wuchs das Interesse an Spanien. So entsandte Friedrich Wilhelm IV. Gails jüngeren Kollegen Eduard Gerhardt (1804-1890) 1848 auf eine ausgedehnte Spanienreise. Im Unterschied zu Gail suchte Gerhardt aber nicht das Exotische sondern machte seine präzisen Architekturdarstellungen zum zentralen Bildthema (Abb. 2). – FG

Literatur
Gebauer 2000. Gebauer 2007.

Spanische Sujets in der Schweizer Architekturmalerei

Neben dem Zürcher Maler Wilhelm Meyer machten sich auch andere Schweizer Künstler auf nach Spanien. Einer von ihnen ist der weitgereiste Basler Maler Johann Jakob Frey (1813-1865), der 1834 über Paris nach München kam, von wo aus er 1835 für einen mehrjährigen Studienaufenthalt nach Italien aufbrach. Nachdem er den Orient 1842-1843 als Mitglied der preussischen Ägypten-Expedition des Archäologen Richard Lepsius aus eigener Anschauung kennengelernt hatte, begab sich Frey 1848 nach Spanien, um die islamischen Bauten und eindrücklichen Landschaften Andalusiens zu zeichnen (Abb. 3). Auch der Solothurner Maler Frank Buchser (1828-1890) führte ein bewegtes Leben zwischen Europa, Nordafrika und den USA. Seine zahlreichen Reisen führten ihn 1852 ein erstes Mal nach Spanien. Weitere Aufenthalte sollten folgen, während denen sich Buchser auch mit der Alhambra auseinandersetzte, wie mehrere seiner Werke belege (Abb. 4). – FG
 
Literatur
Vedute 1980. Mazzocca/Djokic 1994. Fehlmann 1998. Wiese 2003. Lüthy 2011.
Abb.1 (de)

Abb. 1. Wilhelm Gail, "Löwenhof in der Alhambra in Granada", Öl auf Leinwand, 117 x 146 cm, 1835 (Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Fotograf: Wolfgang Pfauder).

Abb.2 (de)

Abb. 2. Eduard Gerhardt, "Der Löwenhof der Alhambra", Öl auf Leinwand, 88 x 76,2 cm, München, 1860 (bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlung, Inv.-Nr. 11630).

Abb. 3. Johann Jakob Frey, "Landschaft bei Granada", Öl auf Leinwand, 67,2 x 91 cm, Rom, 1852 (Kunstmuseum Basel, Inv. 222 / Martin P. Bühler).

Abb. 3. Johann Jakob Frey, "Landschaft bei Granada", Öl auf Leinwand, 67,2 x 91 cm, Rom, 1852 (Kunstmuseum Basel, Inv. 222 / Martin P. Bühler).